Archiv der Kategorie: Aktivitaeten

Jahreswechsel in Leutasch

Dem Schneemangel getrotzt

Reisestart: 23.12.2006 – Reiseziel: Leutasch

Ein Bericht von Ralph Walther

Der Winter 2006/2007 tat sich bisher besonders schwer. Selbst in den Alpen herrschte in vielen Gebieten noch bis in den Januar hinein Schneemangel und damit Flaute besonders für Langläufer, denn auf den alpinen Pisten kann ja oft mit Kunstschnee nachgeholfen werden.
Für unseren traditionellen Weihnachts- und Neujahrsurlaub mit den Brettern hatten wir dieses Jahr Leutasch bei Seefeld in Österreich ausgesucht. Bereits in den letzten Jahren hatte eine Gruppe des DAV Jena um Angela Werner und Peter Michalak in diesem Eldorado für Langläufer gute Erfahrungen gemacht, allerdings im Februar. Wir (Antje und Siegfried Maahs, Anke und Ralph Walther, jeweils mit Kindern) hatten Ende Dezember insofern Glück, weil trotz des auch hier fehlenden Schnees doch noch einige Loipen vorhanden waren. Natürlich konnten nur Bruchteile des normalerweise etwa 280 Kilometer umfassenden Loipennetzes präpariert werden, aber immerhin 30 km dürften es gewesen sein, als wir kurz vor Heiligabend anreisten. Das Hochplateau, das zweimal bereits die olympischen nordischen Disziplinen beherbergte und auch 2007 wieder Austragungsort für den Weltcup in der Nordischen Kombination (20./21. Januar) sein darf, zeigte sich zunächst von seiner sonnigen Seite. Vom 23.-31. Dezember hatten wir sage und schreibe 9 Sonnentage. Die Sonne verlieh uns eine gesunde Gesichtsfarbe, setzte aber den Skiwanderwegen immer mehr zu. Trotzdem versuchten wir, unterschiedliche Trainingsreize zu setzten und die Strecken zu variieren. Wir fuhren u.a. die Nachtloipe in Seefeld mit dem berühmten Seekirchl, allerdings tagsüber bei strahlendem Sonnenschein, die Loipen rund um die Leutascher Ortsteile Obern, Moos, Gasse und Weidach. Bei einer Skitour rund um die Wildmoosalm erlebten wir ein Wechselbad der Gefühle: Nachdem wir vom Parkplatz am Inter-Alpen-Hotel erst ein ganzes Stück die Skier tragen mussten, gelangten wir auf superschönes und gut präparierte Schleifen auf herrlich gelegenen Almwiesen. Auf den waldigen Stücken riskierten wir zum Teil Knochenbrüche, da immer wieder Stöcke und Steine, Laub und Gras tückisch aus dem Schnee herausguckten.

Auch einen Abstecher nach Deutschland gönnten wir uns. Auf der Olympia-Loipe von 1936 von Klais aus ins benachbarte Kaltenbrunn und zurück konnten wir den Namen des letztgenannten Dorfes gut nachfühlen. Silvester rutschten wir mittags spärlicher werdenden Sonne herum, um dann abends noch den Aufstieg auf die 1717 Meter hoch gelegene Wettersteinhütte zu wagen. Dort verlebten wir den Jahresbeginn und genossen einen prächtigen Blick auf das durch zahlreiche Raketen erleuchtete Alpenpanorama.

Nach einem Tag Dauerregen am Neujahrstag kam am 2. Januar endlich der ersehnte Schnee, der es uns ermöglichte, noch einige neue Strecken kennen zu lernen. Es schneite etwa 30 Stunden ununterbrochen, wovon das Langlaufstreckennetz natürlich immens profitierte. Jetzt konnten wir uns auch zu mehr Kilometern pro Tag motivieren. Besonders die schwarzen Loipen rund um die Wildmoos-Alm hatten es uns angetan, also zur lieblichen Muggenmoos-Alm, zur Lottenseehütte oder zum hinauf zum 1363 m hoch gelegenen Katzenkopf. Wir absolvierten auch Teile der Olympia-Strecke von 1976 und konnten uns an Ort uns Stelle davon überzeugen, dass ein Zusammenprall mit einer entgegenkommenden Skitouristin durchaus zu einer schweren Verletzung führen kann. Genau das kostete Axel Lesser und seine Kameraden ja damals das mögliche Olympia-Staffelgold. Unsere längste Tour machten wir am 3.1.07, als wir erst im Dunkeln heimkehrten und zunächst die Zugspitze in der Abenddämmerung und dann ein wunderschönes Naturschauspiel mit Vollmond und über die feuchten Almwiesen herankriechenden Nebeln bewundern durften.

So schafften wir doch noch am Ende die 200 Kilometer und haben uns dabei gut erholt und jeden Abend in der hauseigenen Sauna neue Kräfte getankt.

Ein etwas anderer Skilauf

4. Ruhlaer Sommerskilauf
Reisestart: 24.06.2006 – Reiseziel: Berlinchen

Ein etwas anderer Skilauf …

Eigentlich war das Wochenende vom 24./25. Juni 2006 bereits vom Jahr zuvor verplant, und zwar für den Rennsteig-Staffellauf. Am 1.1. war Meldeeröffnung und als wir uns am 3.1. per Internet anmelden wollten, waren bereits alle 150 Startplätze sowie 10 Ersatzplätze vergeben. Das hatten wir nun wirklich nicht erwartet und auf telefonische Nachfrage erfuhren wir, dass innerhalb von 24 h fast alle 150 Staffeln gemeldet waren und noch genügend auf der Warteliste stehen und wir somit keinerlei Chance mehr haben. So wird wohl dieses Jahr jemand Silvester am PC verbringen müssen, damit wir noch einen Startplatz für 2007 ergattern können.

Das traditionelle Wochenende bei Claudia und Micha in Berlinchen bei Eisenach wollten wir aber trotzdem durchführen. Eine Woche vorher hatte Micha zufällig etwas von einem 4. Ruhlaer Sommerskilauf in der Zeitung gelesen und da uns das sportliche Event fehlte, konnte das vielleicht der angemessene Ersatz sein, zumal wir ja Skiläufer sind.
Nach kurzer Email und Information im Internet wussten wir zwar, dass es ein lustiges Ereignis sein wird und dass man nicht die neuesten Rennski mitbringen sollte, aber über die zu laufende Strecke waren wir uns nicht im klaren. Das größte Problem bestand darin, geeignete Ski mit entsprechender Bindung zu finden, da diese hinterher gewiss nicht mehr auf Schnee zu gebrauchen sein würden. Claudia und ich konnten noch ein paar alte Latten auftreiben und die Bindungen haben wir einfach von unseren Skirollern abmontiert. Not macht ja bekanntlich erfinderisch, so dass Micha einfach ein paar alte Bretter für sich und Ulf zurecht gesägt, vorn angespitzt und darauf die Roller-Bindungen geschraubt hat. Am Ende konnten wir vier echte Skiläufer ausrüsten (Claudia, Micha, Ulf, Jens) und die anderen Frauen (Evi, Angela und Gabi) begleiteten uns als Wanderer.
Für unsere Kinder (Svenja und Ronja) hatten wir uns etwas besonderes ausgedacht. Sie saßen in unserem Fahrrad-Anhänger, welcher mit Zuggestänge versehen war und von mir gezogen wurde.
In lustiger Verkleidung fuhren wir an den Start und erhielten nach Entrichtung des Startgeldes von 10,- € unsere Startnummern. Das Gespann mit den Kids gefiel auch den Organisatoren, so dass sie den Zwergen ebenfalls eine Startnummer spendierten.

Nach Einführungsrede und Vorbereitungsmusik ging es mit einem echten Startschuss los. Ca. 100 Verrückte machten sich in den tollsten Verkleidungen auf die etwa 10 km lange Strecke. Wenn man glaubt, dass man auf einer feuchten Wiese auch im Sommer auf Skiern etwas rutschen kann, war man bei dieser Aktion auf dem Holzweg. Zum einen war es staubtrocken und sonnig und zum anderen verlief die Strecke auf den steinigsten Waldwegen und Asphaltstraßen und an nur wenigen Stellen hatte man auch etwas Gras unter den Brettern.

Der Wettkampfcharakter mutierte zu einer vergnüglichen „Skiwanderung“ wobei auf den Letzten gewartet wurde. Nach einer reichlichen Stunde wurde der erste Verpflegungspunkt erreicht und man konnte seine erste Biermarke umsetzen.
Mit Blasmusik und Gruppenfoto wurde die Pause (ca. 45 min) recht kurzweilig gestaltet.
Als es dann weiterging, machten sich auch schon die ersten Blasen und anderen „Gebrechen“ bemerkbar. Die Fortbewegung erinnerte doch mehr an einen steilen Skitouren-Aufstieg als an Skilanglauf. Zwar ging es mehr bergab, aber wenn man sich vorstellt mit Steigfellen einen Berg herunterzulaufen, ist das auch nicht gerade erholsam. Unsere zwei Helden auf massiven Holzbrettern hatten auch so ihre Schwierigkeiten. Ulf stürzte einmal in den Graben am Wegesrand und kam fast nicht mehr allein heraus und Micha verhaspelte sich kurz vor der zweiten Verpflegungsstation und riss dabei eine Bindung heraus. Die konnte zum Glück in der Pause wieder angeschraubt werden.
Ich hatte das Problem, nach einem Gruppenfoto auf einer etwas abschüssigen Wiese nicht mehr alleine wegzukommen, da der Anhänger nach hinten zog und selbst die Schuppen der Ski nicht mehr gehalten haben. Aber mit Michas Anschubhilfe habe ich es dann doch wieder auf den Weg geschafft.
Kurz vor der zweiten Pause ging es dann auch etwas steiler bergab und ich musste mit dem schiebenden Anhänger meine Schneepflugkünste zeigen. Dann war endlich wieder Pause, diesmal sogar mit Bratwürsten und Rostbrätchen.

Die Rast zog sich auch wieder ca. 1 Stunde hin und kurz vor dem Aufbruch bemerkten wir erst den platten Reifen an unserem Anhänger. Da wir schon Übung darin hatten, konnten wir den Schlauch in wenigen Minuten wechseln und waren nicht die allerletzten, die zum Ziel aufbrachen. Während der Pause hatten uns die Organisatoren informiert, dass im letzten Abschnitt ein Bustransfer notwendig wäre und wir den Fahrradanhänger in einen bestimmten VW-Bus laden sollten. Unsere Vorstellung, dass wir mit dem VW-Bus gleich mitfahren könnten, ging leider nicht auf, da es wirklich nur ein Gepäck-Transporter war. So hasteten wir zu dem großen Bus für die Läufer. Der wäre eigentlich schon losgefahren, aber Angela konnte den Busfahrer überzeugen, auf uns zu warten. Mit einem lautstarken Hallo wurden wir im total überfüllten Bus begrüßt und ebenso lautstark wurde für Ronja und ihre schwangere Mama sofort ein Sitzplatz freigemacht. Dann fuhr der Bus auch gleich los und nach etwa 10 min kamen wir im Zentrum von Ruhla an.
Alles wieder ausgestiegen und ausgeladen, Anhänger, Stöcke und Ski zusammengesucht und angeschnallt, ging es dann auf das letzte Teilstück durch das Zentrum von Ruhla. Das alte Kopfsteinpflaster zeigte überraschende Gleiteigenschaften und da es leicht bergab ging, bekam ich wieder Probleme mit dem schiebenden Anhänger. Der Schneepflug zeigte auf dem Pflaster keine Wirkung, so dass Evi als Fußgängerin am Anhänger bremsend eingreifen musste, damit ich nicht auf die Vorderleute auffuhr. Im Ziel angekommen waren alle erleichtert und auch ziemlich k.o. Die fast 5 Stunden in nicht ganz alltäglicher Fortbewegung hatten doch so einige Schweißtropfen gekostet. Bei Bratwurst und Bier war das aber auch schnell wieder vergessen.
Am Abend fand dann noch ein echtes Rennen auf dem Kopfsteinpflaster statt, aber da das in die Schlafenszeit unserer Kinder fiel, konnten wir daran nicht mehr teilnehmen. Die Kleinen haben die Fahrt im Anhänger prima mitgemacht, zeitweise sind sie sogar eingeschlafen.

Mal sehen, ob wir im nächsten Jahr den Staffelplatz kriegen oder vielleicht doch wieder diesen verrückten Gaudi mitmachen werden.

Jens Müller

1. Rennsteig-Ski-Staffel

Der Rennsteig von Neuhaus nach Brotterode per Ski

Reisestart: 05.03.2006 – Reiseziel: Rennsteig

Ein Bericht von Jan Winderlich

Zur ersten Ausgabe des Rennsteig-Ski-Staffellaufes haben sich Jan W., Henry, Peter, Ilja und Jan K. aufgemacht, den Rennsteig in 5 Etappen von Neuhaus nach Brotterode zu bezwingen. Als Staffel Nr. 25 erreichten wir den 22. Platz und brauchten für die Gesamtstrecke von 82,2 km in 07:14:00 h.

Engadiner Ski-Marathon

Skilanglaufen im sonnigen Oberengadin

Reisestart: 05.03.2006 – Reiseziel: Schweiz

Ein Bericht von Siegfried Maahs

Auch in diesem Jahr nahm ein Teil der Skilanglaufgruppe (Anke & Ralph Walther, Wolfram Herlich, Angela Werner, Antje und Siegfried Maahs) unserer Sektion wieder an einem sogenannten Worldloppet-Lauf teil. „Wordloppet“ eine englisch-schwedische Wortkombination (Welt-Lauf) – die für den Zusammenschluss von 14 verschiedenen bedeutenden Volksskilanglaufwettbewerben weltweit steht. Wobei die Mitgliedsländer mit je einem Lauf vertreten sind. Wenn man 10 dieser Läufe erfolgreich absolviert hat, darf man sich Worldloppet Master nennen. Hierbei ist es lediglich erforderlich, den Lauf in einem großzügig gesetzten Zeitlimit erfolgreich zu bestreiten. Oder anders gesagt: Teilnahme ist alles. Der deutsche Wordloppet ist z.B. der König-Ludwig-Lauf in Oberammergau.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, als wir im skandinavischen Schweden am Vasalauf (schwedisch: Vasaloppet) teilnahmen, zog es uns „heuer“ in den Südalpenraum. Unser Ziel war das sonnige Oberengadin – Austragungsort des Engadiner Skimarathons. Das Oberengadin ist berühmt wegen seiner überdurchschnittlich vielen Sonnentage – 322 pro Jahr sollen es sein. Aufgrund seiner Höhenlage (1.800 m im Tal) ist Schnee praktisch garantiert.. Herrliche Hochgebirgslandschaften und die Quellseen des Inns veranlassten schon Friedrich Nietzsche, der hier viele Sommer verbrachte, vor über einhundert Jahren zu der Aussage: „…hier wo sich Italien und Finnland zum Bunde vereinen…“. Besser kann man es eigentlich nicht beschreiben. Die Schneesicherheit, die günstige Topografie (flaches breites Tal in großer Höhe) und die günstigen meteorologischen Bedingungen gepaart mit landschaftlicher Schönheit machen das Oberengadin zu einem der schönsten Skilanglaufgebiete Europas. Nicht ohne Grund ist St. Moritz im Oberengadin einer der ältesten Wintersportorte überhaupt. Gleich zwei mal fanden hier Olympische Winterspiele (1924 und 1948) statt.

Das Oberengadin, speziell St. Moritz, leidet noch heute unter dem Vorurteil, ein Wintersportort nur für die Reichen zu sein. Während dies in der Vergangenheit sicher zutraf, hat sich hier in den letzten 30 Jahren doch sehr viel geändert. So haben wir unser Domizil z.B. in der optimal gelegenen Jugendherberge von Pontresina bezogen. Mit für Schweizer Verhältnisse erschwinglichen 35 EUR für Übernachtung und Halbpension sind hier Skilangläufer bestens bedient. Die Jugendherberge ist gleichzeitig Langlaufzentrum und liegt etwa in der Mitte des Loipennetzes, so dass man nach allen Seiten ausschwärmen kann. Man kann sich direkt von der Haustür aus auf die Bretter schwingen, was quasi skandinavischen Verhältnissen entspricht. Also, optimale Bedingungen, um sich auf den Engadin Skimarathon vorzubereiten oder sich einfach nur eine Woche lang an der frischen Luft zu bewegen. Hier im Engadin stößt man ständig auf das Motto: „Langläufer leben länger“. Skilanglauf wird hier groß geschrieben. Dafür tut man alles. Sorgen über nicht gespurte Loipen muss man sich – selbst nach ergiebigen Schneefällen – nicht machen.

Auch Petrus war uns wohlgesonnen. Während man zu dieser Zeit überall sonst in Europa fast im Schnee erstickte, konnten wir uns dagegen über zahlreiche Sonnenstunden freuen.

In der Nacht nach unserer Ankunft schneite es so stark, dass ein Teilstück der Straße durch das Oberengadiner Tal wegen Lawinengefahr geschlossen werden musste. Aber schon am Vormittag kam die wieder Sonne heraus und das Tal zeigte sein gewohntes Antlitz. Die frisch verschneiten Pulverschneelandschaften glitzerten in der Sonne und darüber stand ein strahlend blauer Himmel. Gleich am ersten Tag liefen wir alle gemeinsam direkt von der Jugendherberge über St. Moritz, vorbei an den Olympiaschanzen und der romanischen Burg von Silvaplana, in das kleine beschauliche Örtchen Sils, wo wie bereits eingangs erwähnt Friedrich Nietzsche viele Sommer verbrachte. Je nach Lust und läuferischem Vermögen liefen einige nach Pontresina zurück, während der andere Teil bis nach Maloja, dem Startpunkt des Engadin Skimarathon weiterlief, um von dort mit dem Bus nach Pontresina zurückzukehren. Leider funktionierte dies aufgrund der wegen Lawinengefahr gesperrten Straße nicht wie geplant. So hieß es also die fünf Kilometer nach Sils nochmals unter die Bretter zu nehmen und von dort mit dem Bus zurückzufahren.

Am nächsten Tag liefen wir bei herrlichem Sonnenschein in das nahe gelegene Rosegtal, wo wir uns den Roseggletscher anschauen und auf der Terrasse des Gasthauses Roseg einen kleinen Imbiss zu uns nehmen können. Besonders schön an dieser Loipe ist die herrliche Abfahrt auf der Rückfahrt als Lohn für den mühsamen und stetigen Aufstieg auf dem Hinweg.

Auch der nächste Skitag stand im Zeichen eines Seitentales des Oberengadins. Wir fuhren mit dem Bus nach St. Moritz, um von dort über Sils in das romantische Fextal zu laufen. Nachdem es am Morgen noch geschneit hatte, kam auch hier wieder die Sonne heraus, so dass wir phantastische Ausblicke genießen konnten. Höhepunkt der Tour, im wahrsten Sinne des Wortes, war nach ca. 250 m Aufstieg die Einkehr in die Alp Muot Selvas, wo wir uns mit einem Süppchen stärkten. Ein leckerer Schümli Pflümli – eine schweizer Kaffee-Spezialität mit Pflaumenschnaps – heizte uns kräftig ein und versetzte uns in Hochstimmung. Der sportliche Höhepunkt fand dann jedoch am Abend statt. Angela und Ralph nahmen an einem Sprintstaffellauf in der Skatingtechnik teil. Dabei fanden sich per Zufall verschiedene Staffeln bestehend aus 3 Mitgliedern zusammen (Einheimische und Besucher im Engadin gemischt). Angela hat unsere Gruppe würdig vertreten und konnte mit „ihren“ Jungs einen beachtenswerten dritten Platz belegen.

Ein weiterer Skitag führte uns direkt von der Jugendherberge aus auf der zweiten Hälfte der Marathon-Loipe nach S-chanf, dem Ziel des Engadin-Skimarathons. Damit hatten wir die gesamte Strecke Laufes schon mal in Abschnitten getestet.

Am Tag vor dem Lauf ließen wir es ruhig angehen und unternahmen am Vormittag erst mal eine Fahrt mit dem Bernina-Express über den Berninapass nach Poschavio, wo wir zufällig auf eine kleine Gemäldegalerie mit 15 original Spitzweg-Bildern stießen. Derart inspiriert fuhren wir mit dem Zug wieder zurück in Richtung Pontresina, stiegen allerdings schon in Morteratsch aus, um von dort aus noch eine kleine Langlauftour zum herrlichen Morteratsch-Gletscher zu unternehmen. Beeindruckend war der als Eishöhle ausgebildete Gletschermund in seinen leuchtend blauen Farben. Spitzweg hätte seine wahre Freude gehabt. Wie lange wir uns noch an derartigen Bildern erfreuen können ist ungewiss, dies führte uns der mit Schildern gekennzeichnete Verlauf des Gletscherrückgangs von etwa 2 km in den letzten 100 Jahren ganz deutlich vor Augen.

Der Tag des Laufes schien dann der Klimawärmung trotzen zu wollen. Praktisch über Nacht gab es einen mächtigen Temperatursturz, so dass der Engadin Skimarathon praktisch über die gesamte Länge im Zeichen eines eiskalten Gegenwindes stand. In Pontresina spielte eine Rockband an der Strecke gerade den Rolling Stones Titel „I can get no satisfaction“. Aber davon konnte trotz des kalten Windes keine Rede sein. Zwar entsprachen die Laufzeiten wohl bei allen nicht den Erwartungen, aber gerade beim landschaftlich schönen Engadin Skimarathon ist der Weg das Ziel und Teilnahme alles. Alles war perfekt organisiert. Bequem mit der Rhätischen Bahn, denn extra für den Lauf war am Ziel eine Station eingerichtet worden, kehrten wir nach St. Moritz zurück. Anke und Antje, die uns moralische Unterstützung an der Strecke geleistet hatten, erwarteten uns schon, so dass es direkt vom Bahnhof aus zurück nach Jena gehen konnte, das wir wohlbehalten und befriedigt über den Verlauf der Skireise kurz vor Mitternacht erreichten.

Vasalauf 2005

Schweden – ein Skilanglaufeldorado
Reisestart: 28.02.2005 – Reiseziel: Schweden

Ein Bericht von Siegfried Maahs

Vom längsten Loipensystem der Welt im herrlichen Herjedalen zum längsten Skilanglauf der Welt in der Provinz Dalarna
Sechs Skiläufer der Skigruppe unserer Sektion (Anke [Gast]und Ralph Walther, Antje und Siegfried Maahs, Ulf Weichelt und Jan Kolleß) und zwei Dresdner Gäste (Elke Erben und Helmut Konschak) machten sich Ende Februar dieses Jahres (2005) auf, um am längsten und bedeutendsten Skilanglaufrennen der Welt – dem Vasalauf- teilzunehmen.

Im Unterschied zu früheren Fahrten zum Vasalauf war in diesem Jahr im Vorfeld eine Trainingswoche im Nordic Ski Center im mittelschwedischen Funäsdalen vorgesehen, dessen Vorzüge einige Teilnehmer bei vergangenen Skifahrten bereits zu schätzen gelernt hatten. Mit 300 km gespurter Loipe handelt es sich um das längste Skilanglaufsystem der Welt. Aber es besticht nicht nur durch seine Länge. Auch die Schneequalität, die landschaftlich abwechslungsreichen Routen, die vorbildlich gespurten und ausgeschilderten Loipen etc. lassen das Herz eines jeden Skilanglaufsportlers höher schlagen. Das Loipensystem liegt im Herliga (herrlichen) Herjedalen, wie die Schweden stolz und zu Recht diese landschaftlich reizvolle Region nennen. Fünf Tage hatten wir Gelegenheit, uns hier den letzten Schliff für den Vasalauf zu holen. Unser Domizil hatten wir im schönen Hüttendorf Sörmons Stugby bei Ljusnedal aufgeschlagen, das direkt an der Loipe liegt und somit einen idealen Ausgangs- bzw. Endpunkt für unsere Trainingsläufe darstellte. Bei unserer Ankunft lagen laut Schneehöhenbericht bereits 1,68 m Schnee. Als ob das noch nicht genug wäre, schneite es die beiden ersten Tage erst mal kräftig dazu. Aber unseren Tatendrang konnte dies nicht bremsen. Auch bei diesem Wetter lässt es sich hier gut skilaufen. Hier beispielhaft einige unserer Aktivitäten: Wir umrundeten den markanten Funäsdalsberget (ca. 30 km), der auch „Berg mitten im Dorf“ genannt wird, weil er sich als eindrucksvolle Felsrippe direkt über dem Ort Funäsdalen erhebt. Bei nahezu ganztägigem Schneefall durchquerten wir das schöne Tal von Fjällnäs über Tänndalen und Funäsdalen nach Ljusnedal (31 km).Zwei strahlende aber auch eiskalte Sonnentage [Temperatur-Minimum: – 33° C] nutzten wir zu Touren auf den aussichtsreichen Loipen „Mittakläppen“ (ca. 22 km) und „Anafjället“(ca. 18 km).Eine unserer Touren begannen wir direkt an der mit 686 m höchstgelegenen Kirche Schwedens im Ort Tännäs und liefen durch die skandinavische Wildnis zurück in unser Hüttendorf (ca. 27 km).

Neben den sportlichen Aktivitäten kam aber auch das gesellige Hüttenleben mit dem gemeinsamen Zubereiten der Mahlzeiten und Gesellschaftsspielen am Abend nicht zu kurz.

Dann hieß es Abschied zu nehmen vom Herrlichen Herjedalen. Durch tiefverschneite Landschaften und über vereiste Straßen ging es nach Sälen in der Provinz Dalarna- dem eigentlichen Ziel unserer Reise.

In Sälen beginnt der berühmte Vasalauf – der älteste, längste und größte Skilanglauf der Welt. Der Vasalauf ist mehr als nur ein Skilanglauf. Hier geht es um Tradition, Geschichte, Kultur und Freiheit. Der Vasalauf geht zurück in das 16. Jahrhundert. Schweden steht unter der Herrschaft eines gnadenlosen dänischen Regimes. Das schwedische Volk ist unzufrieden. Der schwedische Edelmann Gustav Vasa ruft das Volk zum Aufruhr auf. Anfangs jedoch vergebens. Die Provinz Dalarna bleibt seine einzige Hoffnung. In Mora versucht Gustav Vasa die Männer zum Aufstand zu bewegen – leider ohne Erfolg. Enttäuscht setzt er seinen Weg nach Norwegen fort. Die Männer in Mora ändern jedoch ihre Meinung, als sie eine Nachricht von einem Blutbad in Stockholm erreicht. Sie beschließen den fliehenden Gustav Vasa zu unterstützen und schickten zwei der besten Skiläufer, um ihn zurückzuholen. Bei Sälen holen sie ihn ein und kehren gemeinsam nach Mora zurück, um von hier aus den Kampf gegen die dänische Unterdrückung zu beginnen. 1523 marschieren Gustav Vasa und seine Armee in Stockholm ein. Schweden ist befreit und Gustav Vasa wird zum schwedischen König gewählt. Fast genau 400 Jahre später – 1922 – wird zum Gedenken an Gustav Vasa der Vasalauf auf der historischen Strecke aus der Taufe gehoben. Im Jahre 2004 fand der Vasalauf bereits zum 80. mal statt.

Den Tag vor dem Lauf sind wir in Tandadalens Fjällhotell – ca. 25 km von Sälen entfernt – untergebracht. Das Hotel ist Bestandteil eines relativ großen Alpinskizentrums und hat bei weitem nicht das Flair unseres Hüttendorfes in Funäsdalen. Auch die Langlaufmöglichkeiten halten keinem Vergleich stand. Aber für einen lockeren Lauf vor dem Rennen um den Alpinskiberg Kalven herum (ca. 10 km) reichte es alle mal. Den Tag verbrachten wir damit, uns individuell auf den morgigen Lauf vorzubereiten, um ihn dann am Abend mit einem gemeinsamen Essen in Tandadalens Wärdshus abzuschließen.

Dann war es endlich soweit, der Tag der Bewährung war gekommen. Aufgrund der Nähe zum Start konnten wir uns dieses Jahr etwa zwei Stunden Schlaf mehr gönnen. Dennoch mussten wir bereits um dreiviertel fünf Uhr aufstehen. Pünktlich um sechs Uhr holten wir unsere Ski vom Wachsservice ab. Wenige Minuten später waren wir im Startgelände. Ein herrlicher Sonnenaufgang kündigte einen schönen Tag an. Die Temperaturen waren mit nur –14 ° C für diese Tageszeit vergleichsweise moderat. Zur gemeinsamen Erwärmung tönte flotte Musik aus den Lautsprechern. Es herrschte eine Atmosphäre, die selbst erfahrenen Vasaläufern noch unter die Haut geht. Pünktlich um acht Uhr ertönt der Startschuss. Es war beeindruckend, wie sich das 15.000 Teilnehmer große Starterfeld den Anstieg kurz nach dem Start hinauf wälzte. Wer, so wie wir, von ganz hinten (Ralph als unser bester Läufer startete aus Startgruppe 8 von10) starten musste, wurde die ersten drei Kilometer nicht recht warm, sosehr stauten sich die Massen. Erst dann begann sich das Feld langsam auseinander zu ziehen. Das Wetter wurde immer sonniger. Optimale Bedingungen wie Windstille, Sonne, blauer Himmel, aber dennoch ganztägigen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ließen den Vasalauf zu einem genialen Erlebnis werden. Obwohl die tiefer gelegenen Regionen der Provinz Dalarna in diesem Jahr ein wenig unter Schneemangel litten, war auch die flache zweite Hälfte der Strecke bestens präpariert worden. Fünf Mio. Schwedische Kronen (ca. 500.000 €) hatte sich der Veranstalter die Herstellung von riesigen Kunstschneemengen und das Präparieren der Loipen kosten lassen. Der Lauf hatte Volksfestcharakter. Zahllose jubelnde Zuschauer, Lagerfeuer, Bands, private Verpflegungsstellen etc. säumten die Strecke. Am Ende erreichten alle Teilnehmer unserer Sektion weit unter dem Zeitlimit nach spätestens ca. 10 Stunden das Ziel in Mora. Damit können auch wir getreu dem Motto des Laufes „I Fäders Spar„ behaupten, in den Spuren unserer Väter gewandelt zu sein. Ein überwältigendes Gefühl, das so manchem Teilnehmer die Tränen in die Augen trieb.

Galerie fehlt!!!!

Ergebnisse:
Ralph Walter 7:34:04 h
Jan Kolleß 7:56:29 h
Ulf Weichelt 8:54:42 h
Anke Walther 9:07:00 h
Siegfried Maahs 9:26:52 h
Antje Maahs 10:07:24 h
Helmut Konschak 8:09:50 h

Nachdem wir uns geduscht und mit Hühnerbeinchen gestärkt hatten, ging es am späten Abend per Bus zurück nach Sälen. Am nächsten Morgen kehrten wir über Oslo und von dort mit der Fähre nach Deutschland zurück.

Damit fanden eine erlebnis- und erfolgreiche Skireise und für die meisten wohl auch die schneereiche diesjährige Skisaison ein tolles Ende.